Blick in das Buch

 

HRE (Karikatur von Andreas Prüstel)

Die Hypo Real Estate (HRE)

Die HRE war von Beginn an eine Bad Bank zur Auslagerung von toxischen „Wert“-Papieren. Der möglicherweise fragwürdiger Deal zwischen der Finanzindustrie und der Regierung sah folgendes vor: Die HypoVereinsbank muß 5 Jahre für die Verluste der HRE aufkommen. Danach haftet zu 100 Prozent der Staat. Seltsamerweise verkündet Herr Steinbrück exakt ein Tag nach Ablauf dieser Frist, dass die HRE vom Staat gerettet werden muß. Es stellt sich die Frage: Ist dies ein Zufall, oder wurde die Bundesregierung möglicherweise von der Bankenbranche in Geiselhaft genommen, nach dem Motto: Entweder ihr verteilt die Verluste auf 82 Millionen Schultern oder das Finanzsystem fährt an die Wand? Ein Schelme ist wer böses denkt.

Ein Indikator für das vorherrschende Chaos bei der HRE ist folgende Meldung vom 8.September 2010: „HRE-Chefin Manuela Better kündigt 2011 wieder Gewinne an.“ Nur zwei Tage später nach Börsenschluß am Freitag, den 10.September 2010 muß die HRE jedoch in einer Nacht und Nebel Aktion abermals mit 40 Milliarden Euro deutschen Steuergeldern gerettet werden. Es stellt sich die Frage: Kennt die Chefin ihre eigenen Zahlen nicht? Hat sie den Überblick verloren? Wie kann so was passieren.

Die HRE ist der Supergau für den Deutschen Steuerzahler. Insgesamt erhielt die Bank bisher staatliche Garantien in Höhe von 142 Milliarden Euro. Heute existiert der verstaatlichte Immobilienfinanzierer nur noch aufgrund der milliardenschweren Hilfe des deutschen Steuerzahlers. Im Jahre 2009 ist die HRE, die heute den schicken Namen Deutsche Pfandbriefbank trägt, nach Nothilfen von mehr als 100 Milliarden Euro vom Bund verstaatlicht worden.

Die Bad Bank gründet eine Bad Bank
Da der Mensch gerne immer wieder den gleichen Fehler macht, gründet also die Bad Bank HRE im Oktober 2010 die Bad Bank FMS Wertmanagement. Somit befreit sich die HRE von den Milliardenlasten riskanter Wertpapiere und schreibt, oh Wunder, plötzlich wieder schwarze Zahlen. Bei der FMS Wertmanagement sieht es logischerweise etwas anders aus. Das Institut verbucht in den ersten Monaten nach der Gründung einen Verlust von rund drei Milliarden Euro. Selbstredend werden diese vom Bankenrettungsfonds SoFFin und somit vom Steuerzahler bezahlt. Wie zu erwarten, gestaltet sich der Verkauf der Risikopapiere schwieriger, denn es ist nicht so einfach, einen Dummen zu finden, der den Schrott kaufen möchte. Und mit den drei Milliarden Verlust wird das Thema noch lange nicht abgeschlossen sein.

Laut FMS-Risiko-Vorstand Christian Bluhm muss der Bund in vollem Umfang für weitere Verluste in den kommenden Jahren aufkommen, da sich der SoFFin vertraglich zu einem Verlustausgleich verpflichtet hat. „Wenn der Vorstand der FMS Wertmanagement um einen Verlustausgleich bittet, kommt der SoFFin dem innerhalb von drei Tagen nach.“ Die FMS Wertmanagement bezifferte die stillen Lasten in den Büchern bis zum Jahresende 2011, für die sie keine Abschreibungen vorgenommen hat, auf mehr als 24 Milliarden Euro. Eigentlich sollte die Abwicklungsanstalt FMS bis zum Jahr 2020 ihre Arbeit beenden. Dummerweise laufen die Kreditverträge jedoch etwas länger – knapp 60 Prozent der Kreditrisiken laufen erst 2020 oder wesentlich später aus. Besonders die Kreditverpflichtungen Griechenland in Höhe von 9,1 Milliarden Euro könnten die Laufzeit der FMS etwas verlängern, denn laut Bluhm „haben wir in Griechenland sehr viele Langläufer“ – rund ein Drittel haben eine Laufzeit von mehr als 20 Jahren.298 Im Herbst 2011 hat dann die FSM Wertmanagement komplett den Vogel abgeschossen. Beim Handel mit riskanten Derivaten wurde es versäumt, Forderungen – sprich Guthaben – mit den Schulden zu verrechnen. Die Bank hat also Plus und Minus verwechselt und sich um unvorstellbare 55,5 Milliarden Euro (55 500 Millionen) verrechnet. Dies entspricht den gesamten Hartz-IV-Ausgaben für eineinhalb Jahre für fünf Millionen Menschen. Skandalöserweise fiel diese Panne ein ganzes Jahr lang keinem der vom Steuerzahler hoch dotierten Fachleute auf. Personelle Konsequenzen hatte dieser Skandal selbstverständlich keine.

Der beste Job der Welt Axel Wieandt wechselte im Oktober 2008 von der Deutschen Bank zur HRE, um dort den Chefposten zu übernehmen. Leider wurden seine Bezüge im April 2009 auf 500 000 Euro im Jahr gedeckelt, dafür erhielt er eine Einmalzahlung in Höhe von 500 000 Euro für frühere Pensionszusagen. Bereits am 25. März 2010 bot Axel Wieandt dem Aufsichtsrat der HRE seinen Rücktritt vom Amt des Vorstandsvorsitzenden an und er verließ die Bank wieder. Zum Abschied erhielt er weitere 375 000 Euro Bonusansprüche. Nach nur eineinhalb Jahren Dienst stehen ihm 238 000 Euro Pension pro Jahr zu. Dies sind 19 840 Euro im Monat – hierfür müsste ein Durchschnittsverdiener fast 730 Jahre arbeiten! Laut HRE-Geschäftsbericht wurde Wieandt vertraglich nach nur einem Jahr Amtszeit eine unverfallbare Pension in Höhe von 30 Prozent des ursprünglichen Grundgehaltes von rund 750 000 Euro zugesichert.301 Ich möchte Sie daran erinnern, dass es sich bei der HRE um eine verstaatlichte Bank handelt. Dies bedeutet, dass wir als Steuerzahler jemandem eine exorbitant hohe Pension für knapp 18 Monate Arbeit bezahlen. Jetzt stellt sich doch die Frage: Wer ist hierfür verantwortlich? Die Politik versucht uns von der Notwendigkeit der Rente ab 67 zu überzeugen und versorgt einige Wenige mit irrsinnigen Verträgen.

Wieso verdient ein Banker solche Gehälter?
Womit ist dies gerechtfertigt?

Wer macht solche Verträge?

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